Annette Lemler-Lauerbach
h Diplom-Psychologin/ Gestalttherapeutin



Essstörungen


Magersucht (Anorexia nervosa)

Magersüchtige Frauen und Mädchen wollen dünn sein. Um dieses Ziel zu erreichen hungern sie, meiden kalorienreiche Nahrung oder treiben intensiv Sport. In manchen Fällen erbrechen sie das Essen wieder, es kann zum Missbrauch von Appetitzüglern, Abführ- oder Entwässerungsmitteln kommen. Der radikale Gewichtsverlust ist meist eine Frage von wenigen Monaten. Die Gedanken kreisen fast ständig um das Thema Essen, es besteht eine große Angst, zuzunehmen. Das Hungern gibt den Magersüchtigen das Gefühl von Kontrolle, das Erreichen eines niedrigen Gewichts wird als Erfolgserlebnis angesehen und hat eine große Bedeutung für den Selbstwert. Perfektion und Leistung spielen auch in anderen Bereichen eine große Rolle. Typisch für Magersüchtige ist, dass sie ihren Körper verzerrt wahrnehmen, sich also dicker sehen, als sie wirklich sind, und dass sie ihre Erkrankung leugnen.

Die Magersucht beginnt oft in der Pubertät. Für sehr junge Mädchen bedeutet das eine Beeinträchtigung des Knochenbaus, die Regelblutung bleibt aus oder es kommt erst gar nicht dazu. Weitere Folgeschäden können sein: Schädigungen von Leber und Nieren, Haut- und Haarerkrankungen, Osteoporose, niedriger Blutdruck, Unterzuckerung, Elektrolytstörungen, Muskelschwäche sowie Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand. Auf der seelischen Ebene können sich schwere Depressionen entwickeln.


Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)

Bei der Bulimie leiden die Betroffenen immer wieder unter Essanfällen, über die sie keine Kontrolle haben. Eine große Menge Nahrungsmittel wird gierig und meist heimlich verschlungen und anschließend wieder erbrochen. Um eine Gewichtszunahme zu vermeiden wird auch hier meist intensiv Sport betrieben, es werden Abführmittel eingenommen oder Diäten gemacht. BulimikerInnen streben kein Untergewicht, sondern Normal- oder Idealgewicht an. Sie wirken nach außen oft perfekt. Da sie sich über ihr Verhalten schämen, sprechen sie nicht darüber und ihre Umgebung hat meist keine Ahnung von dem inneren Leidensdruck. Wie bei der Magersucht nimmt die Beschäftigung mit den Thema Ernährung einen breiten Raum im Leben der Betroffenen ein und das Selbstwertgefühl ist stark von Gewicht und Figur abhängig. BulimikerInnen sind jedoch eher krankheitseinsichtig als Magersüchtige.

Auch bei der Bulimie gibt es körperliche Folgeschäden, z.B. Erkrankungen der Zähne, Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Speiseröhre, Ausbleiben der Regel.


Essanfälle / Esssucht

Viele Menschen leiden an Essanfällen (sogenanntes "Binge Eating"), ohne dass sie wie die Bulimikerinnen anschließend die Nahrung wieder erbrechen. Wenn diese Attacken über einen längeren Zeitraum mehrmals in der Woche auftreten, spricht man von Binge Eating Disorder. Binge Eater haben keine Kontrolle über ihr Essverhalten. Sie essen, ohne Hunger zu haben und anschließend fühlen sie sich körperlich und seelisch unwohl, denn sie schämen sich wegen ihres Verhaltens. Daher finden die Essattacken meist heimlich statt. Phasenweise wird versucht, der Gewichtszunahme durch Diäten gegenzusteuern, die Essattacken können aber letztlich nicht überwunden werden. Daher führt Binge Eating meist zu Übergewicht (Adipositas). Manche Menschen essen jedoch auch ständig und viel über den Tag verteilt und nehmen dadurch zu. Sie haben das Gefühl, mit dem Essen etwas zu kompensieren, d.h. es wird für die seelische Stabilität gebraucht. Gleichzeitig leiden sie unter ihrem unkontrollierten Essverhalten und ihrem Übergewicht und den damit einhergehenden körperlichen Folgeerscheinungen. Hierzu zählen Schädigungen des Bewegungsapparates, Bluthochdruck, Diabetes etc.


Männer und Esstörungen

In den letzten Jahren lässt sich eine Zunahme der Essstörungen auch bei Männern beobachten. Auch sie fühlen sich durch ein gängiges Schönheitsideal unter Druck gesetzt: muskulös auszusehen und gleichzeitig schlank zu sein. Von einem Adoniskomplex, Biggerexie oder Muskelsucht spricht man, wenn ein Mann sich als unattraktiv und zu schmächtig empfindet und für den perfekten Körper exzessiv Sport betreibt, Diäten macht, Nahrungsergänzungsmittel oder gefährliche Anabolika einnimmt. Der Besuch eines Fitnessstudios oder die sportliche Aktivität nimmt oft Suchtcharakter an. Männer suchen jedoch meist noch viel später eine Beratungsstelle auf als Frauen. Hierbei könnte eine Rolle spielen, dass Essstörungen in der Gesellschaft nach wie vor als typische Frauenkrankheit angesehen werden.


Für jede Essstörung gilt: je früher sich die Betroffenen Hilfe holen und eine Therapie beginnen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Besserung oder Heilung. Essstörungen kann man meist nicht „alleine in den Griff bekommen“, wie viele zu Beginn glauben. Auch die Familie oder Partner können den Betroffenen nicht wirklich helfen, manche vermeintliche Hilfe wirkt eher kontraproduktiv. Dennoch gibt es Möglichkeiten, durch ein reflektiertes Verhalten den Heilungsprozess zu unterstützen.




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